Narzissen und Osterglocken: vom Strauß bis zur wilden Eifelwiese

In Deutschland sagt man meist Osterglocke, Botaniker sprechen von Narcissus. Gemeint ist dieselbe Pflanzengattung, die ab Februar die Eimer vor den Blumenläden füllt und im April ganze Bachtäler der Eifel gelb färbt. Hier erfahren Sie, was im Strauß zu beachten ist, warum Narzissen andere Blumen ausbremsen können und wie die Zwiebeln im eigenen Garten Jahr für Jahr wiederkommen.

Gelbe Osterglocke mit langer Trompete im Gegenlicht
Gelbe Trompetennarzisse
Weiße Narzisse mit orangefarbener Nebenkrone in Nahaufnahme
Weiß mit oranger Krone
Narzisse mit zartrosa Nebenkrone
Rosa Nebenkrone
Narzissen in einem Frühlingsbeet
Im Frühlingsbeet

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Osterglocke oder Narzisse: wer ist wer?

Narzisse ist der Oberbegriff für eine ganze Gattung aus der Familie der Amaryllisgewächse. Die Osterglocke im engeren Sinn ist die Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) mit ihrer langen, glockenartigen Nebenkrone, im Volksmund heißen aber fast alle großen gelben Gartennarzissen so. Ihren Namen verdankt sie schlicht der Blütezeit: In den meisten Jahren steht sie rund um Ostern in voller Blüte.

Daneben gibt es Formen, die mit der klassischen Osterglocke wenig gemeinsam haben: die Dichter-Narzisse (N. poeticus) mit weißen Blütenblättern und einem flachen, rot gesäumten Krönchen, die erst im späten April und Mai blüht und stark duftet, oder die Tazetten mit mehreren kleinen, intensiv duftenden Blüten pro Stiel. Die Royal Horticultural Society teilt die zahllosen Gartensorten in 13 Gruppen ein, je nach Form der Nebenkrone und Abstammung. Für den Alltag reicht die Faustregel: Je länger die Trompete, desto mehr Osterglocke.

Wann gibt es Narzissen in Deutschland?

Geschnittene Narzissen tauchen im Handel oft schon im Januar auf, meist aus Gewächshäusern oder aus milderen Anbaugebieten. Die Hauptsaison im Blumenladen reicht etwa von Februar bis Ostern. Im Garten öffnen frühe Sorten je nach Region und Witterung ab Ende Februar, die Masse der Osterglocken blüht im März und April, die Dichter-Narzissen machen im Mai den Abschluss. In milden Lagen wie dem Rheintal geht es spürbar früher los als in Mittelgebirgen oder im Alpenvorland.

Zu Ostern gehören Osterglocken in vielen Familien einfach dazu: als Strauß neben den bemalten Eiern, im Topf auf dem Balkon oder als Gruß zum Osterbesuch. Wer zu Ostern verschenken möchte, kauft am besten zwei, drei Tage vorher Knospen, die gerade Farbe zeigen. Dann öffnen sie sich pünktlich zum Fest.

Wilde Narzissen in der Eifel

Die Gelbe Narzisse ist eine der wenigen Narzissen, die in Deutschland von Natur aus wild wächst. Das bekannteste Vorkommen liegt an der deutsch-belgischen Grenze: Im Naturschutzgebiet Perlenbach-Fuhrtsbachtal bei Monschau und im Oleftal bei Hellenthal überziehen zur Blütezeit Millionen kleiner, zweifarbig gelber Wildnarzissen die feuchten Talwiesen. Je nach Höhenlage und Frühjahr blühen sie von Ende März bis in den Mai hinein, die meisten Besucher kommen im April. Rund um Monschau und Hellenthal gibt es ausgeschilderte Wanderwege zur Narzissenblüte.

Bitte beachten Sie dabei: Alle wild wachsenden europäischen Narzissen sind in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Pflücken und Ausgraben sind verboten, in den Naturschutzgebieten gilt zudem ein Wegegebot. Die Wiesen leben davon, dass sie nur gemäht und nicht betreten werden. Fotografieren ist ausdrücklich erwünscht, Blumen mitnehmen nicht. Narzissen für die Vase kommen aus Gärtnereien oder dem eigenen Beet.

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Der Narzissenschleim: warum Mischsträuße leiden

Schneiden Sie einen Narzissenstiel an, tritt ein klarer, zäher Saft aus. Dieser Schleim verklebt im gemeinsamen Vasenwasser die Leitungsbahnen anderer Blumen, sodass sie weniger Wasser ziehen. Besonders empfindlich reagieren Tulpen, die dann schneller die Köpfe hängen lassen. Die Narzisse selbst stört sich nicht daran.

Die Lösung ist einfach, nur das Timing muss stimmen:

  1. Narzissen frisch anschneiden und allein in eine Vase oder einen Eimer mit kaltem Wasser stellen.
  2. Etwa 24 Stunden warten, bis kaum noch Schleim austritt.
  3. Stiele kurz unter fließendem Wasser abspülen.
  4. Jetzt nicht erneut anschneiden, sonst beginnt das Schleimen von vorn.
  5. Erst dann mit Tulpen, Ranunkeln oder Zweigen zusammenstellen und frisches Wasser verwenden.

Bekommen Sie einen fertig gebundenen Mischstrauß und möchten ihn nach ein paar Tagen nachschneiden, sparen Sie die Narzissen dabei aus oder stellen Sie sie nach dem Schnitt erneut einen Tag separat. Ein reiner Narzissenstrauß hat dieses Problem nicht und wirkt in einer schlichten Glasvase oft am schönsten.

So bleiben Osterglocken in der Vase frisch

  • Im richtigen Stadium kaufen: Ideal sind Knospen, die sich zur Seite neigen und gelb durchscheinen. Fest grüne Knospen öffnen sich manchmal gar nicht, voll erblühte Narzissen haben ihre beste Zeit schon hinter sich.
  • Wenig Wasser, dafür frisch: Narzissen haben weiche, hohle Stiele. Eine Handbreit kaltes Wasser genügt, wechseln Sie es lieber jeden Tag, denn der Schleim trübt es schnell.
  • Kühl ist besser: In einem 22 Grad warmen Wohnzimmer verblühen sie deutlich schneller als im Flur oder Schlafzimmer. Nachts dürfen sie auch auf die kühle Fensterbank.
  • Gummiband ab: Bunde aus dem Laden sind oft fest zusammengebunden. Lösen Sie das Band, damit die Stiele nicht abgeschnürt werden.

Gut versorgt halten Narzissen etwa eine Woche. Welche Blumen deutlich länger durchhalten, lesen Sie in unserem Überblick Welche Schnittblumen halten am längsten?, allgemeine Tipps für jeden Strauß finden Sie bei den Pflegetipps.

Narzissen auf einen Blick

MerkmalKurz gesagt
Botanischer NameNarcissus, Familie Amaryllisgewächse
Heimische WildartGelbe Narzisse (N. pseudonarcissus), besonders geschützt
Schnittblumen-Saisonca. Januar bis April
Blüte im GartenEnde Februar bis Mai, je nach Sorte
Pflanzzeit ZwiebelnSeptember bis Oktober
Haltbarkeit in der Vaseetwa eine Woche
Giftigja, für Menschen und Haustiere

Sorten, die sich lohnen

  • 'Rijnveld's Early Sensation': eine der frühesten Trompetennarzissen, oft schon im Februar in Blüte. Gut für alle, die nicht bis Ostern warten möchten.
  • 'February Gold': mittelgroß, mit leicht zurückgeschlagenen Blütenblättern, früh und sehr standfest bei Wind und Regen.
  • 'Tête-à-Tête': die kleine Topf-Osterglocke aus dem Supermarkt. Nach der Blüte ins Beet gesetzt, kommt sie häufig jahrelang wieder.
  • 'Thalia': reinweiß, zwei bis drei nickende Blüten je Stiel, wirkt fast wie eine Orchidee.
  • 'Geranium': eine Tazette mit weißen Blüten und kleiner orangefarbener Krone und einem kräftigen, süßen Duft, der ein ganzes Zimmer füllt.
  • Dichter-Narzisse (N. poeticus): spät blühend, stark duftend und gut zum Verwildern in Wiesen geeignet.

Im Strauß harmonieren Narzissen gut mit Weidenkätzchen, Forsythienzweigen und Traubenhyazinthen. Mehr über weitere Frühblüher für den Strauß lesen Sie in unseren Ratgebern zu Tulpen und Hyazinthen. Einzelne Sorten stellen wir auch im Blumenlexikon vor, etwa die klassische Osterglocke oder die weiße Narzisse.

Narzissen im eigenen Garten

Wer im Frühjahr Osterglocken im Beet sehen möchte, muss im Herbst vorsorgen. Die Zwiebeln kommen von September bis Oktober in den Boden, etwa zwei- bis dreimal so tief, wie die Zwiebel hoch ist. Narzissen sind anspruchslos, wollen aber keine nassen Füße: In schwerem Lehm hilft eine Handvoll Sand im Pflanzloch. Sonne oder lichter Schatten unter Laubbäumen sind ideal, denn dort bekommen sie im Frühjahr Licht, bevor die Bäume austreiben.

Ein Vorteil gegenüber Tulpen: Wühlmäuse lassen Narzissenzwiebeln wegen ihrer Giftstoffe in Ruhe. Und anders als viele Tulpen kommen Narzissen zuverlässig wieder und vermehren sich über Tochterzwiebeln. Wichtig ist nur, das Laub nach der Blüte stehen zu lassen, bis es gelb wird. In dieser Zeit lagert die Zwiebel Kraft für das nächste Jahr ein. Verblühte Köpfe dürfen Sie abknipsen, damit die Pflanze keine Energie in Samen steckt. Im Rasen gepflanzte Narzissen sollten deshalb erst gemäht werden, wenn ihre Blätter eingezogen sind.

⚠️ Giftig für Mensch und Tier: Narzissen enthalten in allen Teilen Alkaloide wie Lycorin und Galantamin, die höchste Konzentration steckt in der Zwiebel. Katzen und Hunde reagieren schon auf kleine Mengen mit Erbrechen und Durchfall, auch das Vasenwasser sollten sie nicht trinken. Bei Menschen kommt es vor allem durch Verwechslung der Zwiebel mit Küchenzwiebeln zu Vergiftungen, lagern Sie Blumenzwiebeln deshalb nie in der Küche. Wer häufig mit Narzissen hantiert, bekommt vom Pflanzensaft manchmal gerötete, juckende Haut, Handschuhe beugen vor. Mehr dazu in unserem Ratgeber Giftige Blumen für Haustiere.

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Häufige Fragen zu Narzissen und Osterglocken

Darf ich Osterglocken mit Tulpen in eine Vase stellen?
Ja, aber erst nach einer Wartezeit. Stellen Sie frisch angeschnittene Narzissen etwa einen Tag lang allein in eine Vase, damit der Schleim austreten kann. Danach die Stiele kurz abspülen und ohne neuen Anschnitt zu den Tulpen stellen. Jeder neue Schnitt setzt wieder Schleim frei.
Darf man wilde Narzissen in der Eifel pflücken?
Nein. Wild wachsende Narzissen sind in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, und Täler wie das Perlenbach-Fuhrtsbachtal bei Monschau sind Naturschutzgebiet. Pflücken und Ausgraben sind verboten, die Wege dürfen nicht verlassen werden. Narzissen aus dem eigenen Garten oder aus dem Handel sind davon nicht betroffen.
Wann pflanzt man Narzissenzwiebeln?
Von September bis in den Oktober, solange der Boden nicht gefroren ist. Setzen Sie die Zwiebel etwa zwei- bis dreimal so tief, wie sie hoch ist, mit der Spitze nach oben, in durchlässige Erde. Je früher sie im Herbst in den Boden kommt, desto besser kann sie vor dem Winter Wurzeln bilden.
Sind Narzissen für Katzen und Hunde giftig?
Ja. Alle Teile enthalten Alkaloide wie Lycorin, am meisten die Zwiebel. Schon angeknabberte Blätter oder Blüten können Erbrechen und Durchfall auslösen. Stellen Sie Sträuße und Töpfe außer Reichweite und lassen Sie auch das Vasenwasser nicht offen stehen. Bei Verdacht sofort die Tierarztpraxis anrufen.

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