Welche Blumen sind giftig für Katzen und Hunde?
Ein Strauß auf dem Tisch ist für neugierige Tiere ein Spielzeug. Die meisten Schnittblumen verursachen dabei höchstens Bauchweh – einige wenige aber können eine Katze innerhalb von Tagen töten. Hier erfahren Sie, welche das sind, woran Sie eine Vergiftung erkennen und was Sie in Deutschland im Ernstfall tun.
Giftig ist nicht gleich gefährlich. Ob ein Tier krank wird, hängt davon ab, welche Pflanze es erwischt, welchen Teil davon, wie viel und ob es Hund oder Katze ist. Katzen sind dabei oft die empfindlicheren Patienten: Sie putzen sich ausgiebig, nehmen so auch Pollen und Pflanzensaft aus dem Fell auf und trinken gern aus Vasen. Hunde fressen dagegen eher größere Mengen auf einmal – oder graben im Garten Blumenzwiebeln aus, die meist deutlich giftiger sind als die Blüte.
Die wichtigsten Blumen auf einen Blick
- Lilien, TaglilienFür Katzen die gefährlichsten Blumen überhaupt, akutes Nierenversagen möglich.
- MaiglöckchenHerzwirksame Gifte, auch im Vasenwasser. Für Hund und Katze ernst.
- Narzissen, AmaryllisLycorin reizt Magen und Darm, Zwiebeln sind besonders giftig.
- Tulpen, HyazinthenSpeicheln und Erbrechen, die Zwiebel enthält am meisten Gift.
- ChristroseTypische Winterblume, Magen-Darm-Beschwerden und Mattigkeit.
- Weihnachtsstern, SchleierkrautMeist nur leichte Reizungen, dennoch außer Reichweite stellen.
- Rosen, Gerbera, Sonnenblumen, Löwenmäulchen, FreesienIn der ASPCA-Datenbank als nicht giftig geführt.
⚠ Katze im Haus? Dann keine Lilien.
Gefährlich sind alle echten Lilien der Gattung Lilium – etwa Oster-, Tiger-, Asiatische und Orientalische Lilien wie „Stargazer“ – sowie Taglilien (Hemerocallis). Jeder Teil der Pflanze ist giftig: Blüte, Blatt, Stiel, Pollen und das Wasser in der Vase. Kleine Mengen genügen. Wenn Sie Blumen an jemanden mit Katze verschenken, bitten Sie bei der Bestellung ausdrücklich um einen Strauß ohne Lilien.
Für Hunde sind Lilien dagegen kein besonderes Risiko. Bei ihnen sind es eher Zwiebelblumen und Gartenpflanzen, die Probleme machen. Ein kurzer Blick über den Tellerrand des Blumenstraußes lohnt sich deshalb: Oleander auf Balkon und Terrasse enthält herzwirksame Glykoside, die Herbstzeitlose auf Wiesen und in Gärten das Zellgift Colchicin. Beide sind für Hund und Katze hochgiftig, auch wenn sie in kaum einem Strauß landen.
Schnittblumen und ihr Risiko im Vergleich
Sechzehn Blumen, die häufig in Sträußen oder als Topfblumen im Haus stehen. Die Einstufung ist eine grobe Orientierung für typische Mengen; sie ersetzt keine tierärztliche Beurteilung.
| Blume | Katze | Hund | Häufige Symptome | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| ⛔ Extrem | ✓ Niedrig | Katze: Erbrechen, Speicheln, Appetitlosigkeit, dann Nierenversagen. Hund: allenfalls leichte Magenbeschwerden | Alle Pflanzenteile, Pollen und Vasenwasser. Behandlung möglichst früh, spätestens innerhalb von 18 Stunden. | |
| MaiglöckchenConvallaria majalis | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Erbrechen, Durchfall, verlangsamter oder unregelmäßiger Herzschlag | Herzwirksame Glykoside, auch im Vasenwasser. Beliebt in Frühlings- und Brautsträußen. |
| ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Erbrechen, Speicheln, Durchfall; bei großen Mengen Krämpfe und Herzrhythmusstörungen | Lycorin; die Zwiebel ist am gefährlichsten. Ausgegrabene Zwiebeln sind ein typisches Hunderisiko. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Durchfall, Speicheln, Bauchschmerzen, Zittern | Ebenfalls Lycorin. Wird als Topfzwiebel verschenkt – die Zwiebel ist der giftigste Teil. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Erbrechen, Durchfall | Tulipaline reizen die Schleimhäute; in der Zwiebel am stärksten konzentriert. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Reizung von Maul und Haut | Ähnlich wie Tulpe. Vorgetriebene Zwiebeln im Glas sind leicht erreichbar. | |
| ChristroseHelleborus niger | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall, Mattigkeit | Bufadienolide und weitere Giftstoffe. Häufig als Topfpflanze in der Adventszeit. |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Durchfall, Speicheln, Hautreizungen | Enthält unter anderem Pyrethrine. Im Herbst und zu Allerheiligen sehr verbreitet. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit | Cyanogene Glykoside in Blättern und Knospen. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Erbrechen, Durchfall | Trotz des deutschen Namens keine echte Lilie. Der Wurzelstock ist am giftigsten. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit | Die Knolle enthält am meisten Gift, die Schnittblume deutlich weniger. | |
| ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Brennen im Maul, Speicheln, Schluckbeschwerden | Calciumoxalat-Kristalle. Keine echte Lilie, kein Nierenrisiko wie bei Lilium. | |
| ✓ Niedrig | ✓ Niedrig | Reizung von Maul und Magen, gelegentlich Erbrechen | Ruf schlechter als die Wirkung. Der Milchsaft reizt, schwere Vergiftungen sind selten. | |
| ✓ Niedrig | ✓ Niedrig | Leichtes Erbrechen, Durchfall | Saponine können den Magen reizen. Steckt als Füllgrün in sehr vielen Sträußen. | |
| ✓ Niedrig | ✓ Niedrig | Leichte Magen-Darm-Beschwerden, Hautreizung | Meist harmlos verlaufend. | |
| InkalilieAlstroemeria | ✓ Niedrig | ✓ Niedrig | Höchstens leichte Magen-Darm-Beschwerden | Keine echte Lilie. Wird oft mit Lilien verwechselt, ist aber kein Nierenrisiko. |
Blumen verschenken an jemanden mit Katze?
Wählen Sie einen Strauß aus Rosen, Gerbera oder Sonnenblumen und vermerken Sie bei der Bestellung „bitte ohne Lilien“. Lieferung in ganz Deutschland.
Blumen, die Sie mit Tieren im Haus bedenkenlos wählen können
Die folgenden Sorten führt die ASPCA in ihrer Pflanzendatenbank als nicht giftig für Hunde und Katzen. Das heißt nicht, dass ein Tier einen ganzen Strauß fressen sollte – Pflanzenfasern in größeren Mengen schlagen auf den Magen. Achten Sie außerdem auf das, was mitgeliefert wird: Schleierkraut als Füllgrün oder eine einzelne Lilie im Mischstrauß machen aus einem harmlosen Strauß schnell einen riskanten.
Notfallplan: Ihr Tier hat an einer Blume gefressen
- Tier von der Pflanze trennen. Nehmen Sie Blumenreste vorsichtig aus dem Maul, sofern das gefahrlos geht, und räumen Sie heruntergefallene Blätter und Blüten weg. Hat eine Katze Lilienpollen im Fell, hindern Sie sie am Putzen und wischen Sie den Pollen mit einem feuchten Tuch ab.
- Pflanze sichern. Fotografieren Sie die Blume oder nehmen Sie ein Stück davon mit, bei gekauften Sträußen auch Etikett oder Verpackung. Notieren Sie, welcher Teil gefressen wurde, wie viel ungefähr und wann.
- Sofort tierärztliche Hilfe holen. Rufen Sie Ihre Tierarztpraxis an. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an den tierärztlichen Notdienst Ihrer Region oder eine Tierklinik mit Notdienst. Die Giftinformationszentren in Deutschland sind für Menschen zuständig und beraten bei Tieren nur im Rahmen ihrer Kapazität – für Ihr Tier ist der Tierarzt die richtige Adresse.
- Kein Erbrechen auf eigene Faust. Geben Sie weder Salzwasser noch andere Hausmittel. Salzwasser kann selbst eine gefährliche Vergiftung auslösen. Ob Erbrechen sinnvoll ist, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt.
- Nicht auf Symptome warten. Gerade bei Lilien und Katzen wirkt das Tier anfangs oft noch munter, während die Nieren bereits Schaden nehmen. Der Verdacht allein ist Grund genug für die Fahrt in die Praxis.
Lilienvergiftung bei Katzen: der zeitliche Verlauf
Nach Angaben der FDA. Bei anderen Blumen zeigen sich Magen-Darm-Beschwerden meist innerhalb weniger Stunden; der Verlauf hängt von Pflanze, Menge und Tier ab.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind Lilien für Katzen so gefährlich, für Hunde aber kaum?
Echte Lilien (Lilium) und Taglilien (Hemerocallis) enthalten einen bis heute nicht genau identifizierten Stoff, der bei Katzen die Nieren schädigt. Hunde reagieren darauf nach Angaben der US-Arzneimittelbehörde FDA allenfalls mit leichten Magenbeschwerden, ein Nierenversagen entwickeln sie nicht.
Reicht es, die Lilien hoch zu stellen?
Nein. Katzen erreichen fast jeden Platz, und schon wenige Pollenkörner im Fell, die beim Putzen abgeleckt werden, oder ein Schluck Vasenwasser können genügen. Wenn eine Katze im Haushalt lebt, gehören Lilien und Taglilien gar nicht in die Wohnung.
Wie viel Zeit bleibt nach einer Lilienvergiftung?
Wenig. Erste Anzeichen wie Erbrechen, Speicheln oder Appetitlosigkeit zeigen sich innerhalb von 0 bis 12 Stunden. Beginnt die Behandlung erst 18 Stunden oder später nach der Aufnahme, ist das Nierenversagen laut FDA in der Regel nicht mehr umkehrbar. Fahren Sie deshalb schon beim Verdacht zum Tierarzt, nicht erst bei Symptomen.
Ist Maiglöckchen-Vasenwasser gefährlich?
Ja. Maiglöckchen enthalten herzwirksame Glykoside, die bei Hund und Katze Erbrechen und Herzrhythmusstörungen auslösen können. Die Giftstoffe gehen auch ins Vasenwasser über. Stellen Sie Maiglöckchen deshalb nicht dort auf, wo Tiere trinken könnten, und lassen Sie das Wasser nie offen stehen.
Mein Hund hat eine Tulpe angeknabbert. Was nun?
Blüten und Stiele verursachen meist Speicheln, Erbrechen oder Durchfall. Deutlich giftiger ist die Zwiebel, etwa wenn ein Hund im Garten gräbt. Rufen Sie Ihre Tierarztpraxis an, schildern Sie, welcher Teil und wie viel gefressen wurde, und folgen Sie deren Einschätzung.
Wen rufe ich in Deutschland im Notfall an?
Ihre Tierarztpraxis oder, außerhalb der Sprechzeiten, den tierärztlichen Notdienst beziehungsweise eine Tierklinik mit Notdienst in Ihrer Nähe. Die Giftinformationszentren sind für Vergiftungen bei Menschen zuständig und beraten bei Tieren nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung nur, soweit es ihre Kapazität erlaubt.
Soll ich mein Tier zum Erbrechen bringen?
Nein, nicht auf eigene Faust. Hausmittel wie Salzwasser können selbst eine gefährliche Vergiftung auslösen. Ob und wie Erbrechen ausgelöst wird, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt.
Wie gefährlich ist der Weihnachtsstern wirklich?
Weniger, als sein Ruf vermuten lässt. Der Milchsaft reizt Maul und Magen und kann Speicheln oder Erbrechen auslösen, schwere Vergiftungen sind selten. Deutlich ernster zu nehmen sind in der Adventszeit Amaryllis und Christrose, die oft im selben Raum stehen.
Sind Inkalilien und Calla genauso gefährlich wie echte Lilien?
Nein. Inkalilien (Alstroemerien), Calla und Einblatt tragen den Namen Lilie, gehören aber nicht zur Gattung Lilium. Calla und Einblatt enthalten Calciumoxalat-Kristalle, die Maul und Rachen reizen. Inkalilien verursachen laut FDA höchstens leichte Magen-Darm-Beschwerden. Ein Nierenversagen wie bei echten Lilien lösen sie nicht aus.
Welche Schnittblumen gelten als unbedenklicher?
Rosen, Gerbera, Sonnenblumen, Löwenmäulchen, Freesien und Orchideen der Gattung Phalaenopsis werden in der Pflanzendatenbank der ASPCA als nicht giftig für Hunde und Katzen geführt. Völlig risikofrei ist keine Pflanze: Wer größere Mengen frisst, kann auch davon Bauchschmerzen bekommen, und Dornen oder Pflanzenschutzmittel sind ein eigenes Thema.
Was kostet der tierärztliche Notdienst?
Nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) von 2022 wird nachts, am Wochenende und an Feiertagen im Notdienst eine Notdienstgebühr von 50 Euro fällig, außerdem gilt mindestens der zweifache Gebührensatz. Bei einem Verdacht auf Lilienvergiftung bei einer Katze sollten die Kosten trotzdem kein Grund zum Abwarten sein.
Quellen
Auf diese Veröffentlichungen stützen sich die Angaben auf dieser Seite. Die englischsprachigen Datenbanken sind besonders umfangreich und lassen sich nach Pflanzennamen durchsuchen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Wie gefährlich sind Gifte für Hunde und Katzen? – mit Hinweisen, an wen sich Tierhalter in Deutschland im Verdachtsfall wenden.
- Gebührenordnung für Tierärzte (GOT 2022) – Regelungen zu Notdienstgebühr und Gebührensätzen.
- FDA: Lily Toxicity, the potentially fatal danger to cats – Zeitverlauf der Lilienvergiftung und Abgrenzung zu anderen „Lilien“ (Englisch).
- ASPCA: Toxic and Non-Toxic Plants – nach Pflanzennamen durchsuchbar, mit Einstufung für Hunde, Katzen und Pferde (auf Englisch).
- Pet Poison Helpline: Lilies – giftige Pflanzenteile und Hinweise zur frühen Behandlung (Englisch).
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Wichtiger Hinweis. Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei jedem Verdacht auf eine Vergiftung wenden Sie sich bitte umgehend an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.