Blumensprache: Was Blumen und ihre Farben bedeuten
Eine rote Rose versteht jeder. Aber warum galt die gelbe Rose einst als Zeichen von Eifersucht, weshalb trug man am 1. Mai eine rote Nelke im Knopfloch, und was hat Goethe über das „Blumenalphabet“ gedacht? Wir erklären, woher die Bedeutungen stammen, welche heute noch gelten und wo Sie mit einem Strauß unbeabsichtigt etwas anderes sagen, als Sie meinen.
Ein Brief aus Konstantinopel und Goethes Einwand
Den Anstoß gab eine Engländerin: Lady Mary Wortley Montagu lebte 1717 und 1718 als Frau des britischen Botschafters in Konstantinopel. In ihren Briefen, die 1763 gedruckt wurden, beschrieb sie den Selam, eine Art verschlüsselten Liebesgruß, bei dem man sich Blumen und kleine Gegenstände schickte. Europa war fasziniert, denn eine stumme Sprache, die nur Eingeweihte lesen konnten, passte perfekt zur Sehnsucht der Zeit nach dem „Orient“.
Johann Wolfgang von Goethe sah das nüchterner. In den „Noten und Abhandlungen“ zu seinem West-östlichen Divan (1819) widmete er dem Thema ein eigenes Kapitel, „Blumen- und Zeichenwechsel“, und warnte gleich im ersten Satz davor, „zu viel Gutes von der sogenannten Blumensprache zu denken“. Seine Erklärung: Im Orient habe man nicht einzelnen Blumen feste Bedeutungen gegeben. Der Empfänger sprach vielmehr den Namen des Geschenks aus und suchte ein Wort, das sich darauf reimte. Die Botschaft steckte also im Reim, nicht in der Blume, und neben Blüten taugte dafür jeder Gegenstand, den man verschicken konnte.
Biedermeier: als jede Familie ihr Blumenbüchlein hatte
Ausgerechnet im selben Jahr 1819 erschien in Paris „Le Langage des Fleurs“ unter dem Namen Charlotte de Latour, vermutlich ein Pseudonym. Das Buch löste eine Welle von Nachahmern aus, auch im deutschsprachigen Raum. Im Biedermeier, als das häusliche Leben, der Garten und das Poesiealbum hoch im Kurs standen, wurden Blumensprache-Büchlein zu beliebten Geschenken. Ein Beispiel ist das in Prag erschienene Werk „Selam oder die Sprache der Blumen“ aus den Jahren 1826 bis 1830.
Wichtig für heute: Diese Bücher waren sich keineswegs einig. Je nach Autor bedeutete dieselbe Blume Treue, Stolz oder Spott. Eine verbindliche Blumensprache gab es nie, und wer heute ein Bedeutungslexikon liest, sieht nur eine von vielen Auslegungen. Was sich gehalten hat, sind einige wenige Bedeutungen, die fast alle kennen.
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Blumen jetzt bestellenBlumen mit deutscher Geschichte
Einige Blumen tragen hierzulande eine Bedeutung, die nicht aus Paris oder London stammt, sondern aus der deutschen Geschichte und Literatur:
- Vergissmeinnicht: Hier braucht es kein Lexikon, der Name ist die Botschaft. Die kleine blaue Blüte steht für Erinnerung und Verbundenheit über eine Trennung hinweg.
- Kornblume: Im 19. Jahrhundert wurde sie zur „preußischen Blume“. Den Anstoß gab Kaiser Wilhelm I., der sie in Erinnerung an seine Kindheit zu seiner Lieblingsblume erklärte. Um seine Mutter, Königin Luise, und ihre Flucht vor Napoleons Truppen rankt sich dazu eine Legende mit Kränzen aus Kornblumen. Ihr Blau erinnerte zugleich an das Preußischblau der Uniformen.
- Rote Nelke: Seit dem Gründungskongress der Zweiten Internationale 1889 in Paris, der den 1. Mai zum Kampftag der Arbeiterbewegung machte, ist sie deren Blume. Wo Fahnen verboten waren, diente die Nelke im Knopfloch als Erkennungszeichen.
- Die Blaue Blume: In Novalis’ Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ (1802) wird sie zum Sinnbild romantischer Sehnsucht. Eine bestimmte Pflanzenart ist nicht gemeint, doch ein Strauß in Blautönen lässt sich für Literaturfreunde gut so deuten.
- Myrte: Lange trugen Bräute in Deutschland einen Kranz aus Myrtenzweigen. Bis heute steht die Myrte deshalb für Brautschaft und Treue, etwa als kleiner Zweig im Brautstrauß.
- Chrysantheme: In Deutschland ist sie die typische Grabblume zu Allerheiligen und Totensonntag. Andernorts ist das ganz anders, in Japan ist sie Symbol des Kaiserhauses.
Die Klassiker: was sie heute sagen
Für die bekanntesten Schnittblumen gibt es Bedeutungen, die die meisten Empfänger ohne Erklärung verstehen. Mehr Einzelheiten finden Sie in unseren Ratgebern zu den einzelnen Blumen.
- Rose: Rot ist die eindeutigste Liebeserklärung, die es in Blumenform gibt. Rosa wirkt freundlich und zugewandt, ohne gleich ein Geständnis zu sein. Weiß passt zur Hochzeit ebenso wie zum Abschied. Bei Gelb hat sich die Bedeutung gedreht: In vielen alten Blumenbüchern stand sie für Eifersucht oder abkühlende Gefühle, heute liest man sie als Zeichen von Freundschaft und Fröhlichkeit.
- Tulpe: Im deutschen Alltag ist sie vor allem der Bote des Frühlings. Rote Tulpen sind eine lockere Form der Liebesbotschaft, ein bunter Tulpenstrauß sagt schlicht: Der Winter ist vorbei.
- Lilie: In der christlichen Kunst ist die weiße Lilie das Zeichen Marias und der Reinheit, deshalb findet man sie sowohl in Brautsträußen als auch in der Trauerfloristik. Achtung bei Katzenhaltern, Lilien sind für Katzen giftig.
- Nelke: Neben der politischen Bedeutung der roten Nelke gilt die Blume als Ausdruck von Zuneigung und Anerkennung. Im Ursprungsland des Muttertags, den USA, war die weiße Nelke die erste Muttertagsblume.
- Sonnenblume: Sie wendet sich als junge Pflanze der Sonne zu und steht für Zuversicht und Wärme. Ideal für Glückwünsche, Genesungsgrüße und alles, was gute Laune machen soll.
- Pfingstrose: Ihr deutscher Name verrät die Blütezeit rund um Pfingsten. Die üppigen Blüten stehen für Fülle und Glück und sind besonders bei Hochzeiten beliebt.
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Preise und Sortiment ansehenFarben, bei denen man leicht missverstanden wird
Die größten Fettnäpfchen liegen weniger in der Blumenart als in Farbe, Anlass und Anzahl:
- Weiß: Bei Hochzeit und Taufe festlich, bei Krankenbesuchen empfinden manche Menschen einen rein weißen Strauß als zu ernst. Ein paar Farbtupfer oder frisches Grün nehmen ihm die Schwere.
- Rot außerhalb der Partnerschaft: Rote Rosen für die Kollegin oder die Gastgeberin können missverstanden werden. Greifen Sie lieber zu gemischten Farben oder anderen roten Blumen wie Gerbera oder Ranunkeln.
- Chrysanthemen als Mitbringsel: Wegen der Verbindung zum Friedhof sind sie bei älteren Gastgebern in Deutschland nicht immer willkommen, so schön sie auch sind.
- Gerade Anzahl: In Russland, der Ukraine und weiteren osteuropäischen Ländern werden Blumen in gerader Zahl nur zu Trauerfällen gebracht. Hat der Empfänger solche Wurzeln, wählen Sie für einen fröhlichen Anlass besser eine ungerade Zahl.
- Blau: Echte blaue Schnittblumen sind selten, etwa Kornblume, Rittersporn oder Hortensie. Knallblaue Rosen oder Orchideen sind eingefärbt, was manche Empfänger nicht mögen.
So nutzen Sie die Blumensprache im Alltag
Weil die Bedeutungen nie einheitlich waren, ist die sicherste Botschaft die, die Sie dazuschreiben. Eine kurze Karte macht aus jedem Strauß eine eindeutige Nachricht, und sie schützt vor Missverständnissen bei Blumen, deren Bedeutung sich gewandelt hat. Mindestens ebenso viel sagt die Lieblingsblume des Empfängers: Wer weiß, dass die Großmutter Kornblumen mag oder die Freundin jedes Frühjahr auf Pfingstrosen wartet, trifft mit genau dieser Wahl mehr als mit jedem Lexikoneintrag. Und wenn Sie sich unsicher sind, wie lange Ihre Auswahl in der Vase durchhält, hilft unser Überblick, welche Schnittblumen am längsten halten.
Praktische Hinweise zu Bestellung, Kartentext und Lieferzeiten finden Sie in unserem Ratgeber zum Blumenversand.
Häufige Fragen zur Blumensprache
Gibt es ein verbindliches Lexikon der Blumensprache?
Nein. Im 19. Jahrhundert erschienen viele Blumenbücher, die einander teils widersprachen. Was eine Blume bedeutet, hing davon ab, welches Büchlein man besaß. Heute gelten nur wenige Bedeutungen als allgemein bekannt, etwa die rote Rose für Liebe oder das Vergissmeinnicht für Erinnerung.
Darf man gelbe Rosen verschenken?
Ja. In alten Blumenbüchern stand die gelbe Rose oft für Eifersucht oder nachlassende Zuneigung, heute verbinden die meisten Menschen sie mit Freundschaft und guter Laune. Wer ganz sichergehen will, schreibt ein paar Worte auf die Karte.
Warum gelten Chrysanthemen in Deutschland als Friedhofsblumen?
Weil sie im Spätherbst blühen und rund um Allerheiligen und Totensonntag in großen Mengen auf die Gräber kommen. Diese Verbindung ist kulturell bedingt. In Japan ist die Chrysantheme das Symbol des Kaiserhauses und eine festliche Blume.
Welche Blume sagt „Ich denke an dich“?
Am deutlichsten das Vergissmeinnicht, denn sein Name ist bereits die Botschaft. Als Schnittblume ist es selten erhältlich, daher wählen viele einen Strauß in Blau oder Weiß und schreiben den Gedanken dazu.